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ETYMOLOGISCHES WÖRTERBUCH

DER

ROMANISCHEN SPRACHEN.

ETYMOLOGISCHES

WÖRTERBUCH

DER

ROMANISCHEN SPRACHEN

VON

FRIEDRICH DZEZ.

VIERTE AUSGABE.

MIT EINEM ANHANG

VON

AUGUST SCHELER.

BONN,

BEI ADOLPH MARCUS. 1878.

Das Recht der Uebersetzung ist vorbehalten.

LORENZ DIEFENBACH

SEINEM VEREHRTEN FREUNDE

GEWIDMET.

VORREDEN DES VERFASSERS.

I. Die aufgäbe der etymologie ist, ein gegebenes wort auf seinen Ursprung zurückzuführen. Die eur lösung dieser aufgäbe angewandte Methode ist aber nicht überall dieselbe: leicht läßt sich eine kritische und eine un- kritische wahrnehmen. Die unkritische nimmt ihre deutungen auf gut glück aus einer äußerlichen ähnlichkeit der form} oder erzwingt sie bei geringerer ähnlichkeit7 ja selbst bei gänzlicher Verschiedenheit derselben, durch eine reihe willkürlich geschaffener mittelglieder. Ein in seinem grundsatze so fehlerhaftes verfahren, dessen ungeachtet doch da, wo wüz und divinationsgabe nicht fehlten, mancher treffliche wurf gelang, hat bei vielen die ganze etymologische kunst in miscredit gebracht, während sie sich andern durch die leichtigkeit ihrer ausübung, wozu sich jeder ohne beruf und Vorbereitung aufgelegt fühlte, empfahl. Jene irren in ihrer ab- neigung, diese in ihrer Zuneigung. Im gegensatze zur unkritischen methode unterwirft sich die kritische schlechthin den von der lautlehre aufgefundenen principien und regeln, ohne einen fußbreit davon abzugehen, sofern nicht klare thatsächlicHe ausnahmen dazu nöthigen; sie bestrebt sich dem genius der spräche auf der spur zu folgen, ihm seine geheimnisse abzugewinnen; sie wägt jeden buchstäben und sucht den ihm in jeder Stellung zukommenden werlh zu ermitteln. Und doch, wie wenig vermag sie oft, wie zweifelhaft sind ihre erfolge! Das höchste, was der etymologe erreicht, ist das bewußt- sein wissenschaftlich gehandelt zu haben; für absolute gewißheit hat er keine gewähr, eine unbedeutende notiz kann ihm das mühsam erworbene zu seiner beschämung unversehens unter den fußen wegziehen. Dergleichen wird bei jeder forschung vorkommen, bei der etymologischen gehört es zu den täglichen erfahrungen, die auch dem scharfsinnigsten nicht erlassen werden. Darum bescheidenhext, selbst wo alles unsre deiäungen zu unter- stützen scheint! Mit welcher strenge ich in dem vorliegenden buche meine früheren etymologien gerichtet und gesichtet habe, wird man ohne mühe erkennen; was ich aber gegen mich selbst angewandt, konnte ich auch gegen andre nicht unangewandt lassen. Etwas habe ich durch vidjährige erfährung auf diesem gebiete gelernt, was sich zwar von selbst versteht, aber nicht von allen verstanden sein will: daß zu wissenschaftlich sicherem urtheUe sich nur der durcharbeitet, der den gesammten wortvorrath der

VIII VORREDE.

spräche bis in ihre Mundarten hinein zu bewältigen nickt ermüdet Wer nicht so weit vorzudringen tust hat, der beklage sich nicht, wenn er jeden augenblick den boden verliert. Es ist kein wunder, wenn manche auf andern Sprachgebieten ausgezeichnete forscher auf dem romanischen so oft fehlgreifen, da sie nur das einzelne in einer bestimmten gestalt auf- fassen, ohne seine geschickte und seine beziehungen nach allen Seiten hin erkannt zu haben. Die romanische Wortforschung hat eben so dunkle partien zu beleuchten wie vielleicht irgend eine andre; selbst die erkenntnis des lateinischen Stoffes ist in zahlreichen fällen nicht bequemer als die des fremden. Man schlage einmal die spanischen mit ch oder mit z anlautenden Wörter nach und man wird von der richtigkeit dieser behauptung eine ähnung bekommen. Erschöpft man auch alle von den einschlägigen sprachen gebotenen mittel, z. b. für das spanische den lateinischen, griechischen, baskischen, celtischen, germanischen, semitischen wortvorrath, es bleibt ein großer rest, für den es keinen rath gibt Freilich fließen manche sprachen, woraus der Romane schöpfte, für uns nur noch in spärlichen quellen. Eifriger und umsichtiger forschung aber wird sicher gelingen noch manches räthsel zu lösen, das bis jetzt unlösbar schien.

Ein f ortschritt ist, hoffe ich, in dem gegenwärtigen versuche geschehen; der lautlehre, die sich an den schätzen, welche die etymologie zu tage fordert, erfrischt und belebt, wird dies dereinst zu gute kommen. Aber auf die bezwingung des ganzen konnte ich nicht eingehen, und wer möchte muth und kraft und Selbstverleugnung genug dazu heben? Gleichwohl wünschte ich ein ganzes zu geben, sei es auch nur ein bedingtes, und so richtete sich mein augenmerk 1) auf üblichere Wörter, solche die in rede und schrift häufiger wiederkehren, mit ausschluß aller derer, die man sich ohne mühe aus dem latein erklärt, die also der Untersuchung nicht anheim- fallen können; 2) auf weniger übliche, aber etymologisch bedeutsamere, wohin ich vornweg Partikeln, einfache verba, zumal aber einfache adjeetiva, demnächst viele von Ungutsten mehrfach besprochene, zu einem gewissen rufe gelangte Wörter rechnete. Aber auch solchen, die weder zur einen noch zur andern classe gehören, sollte der eintritt unverwehrt sein, nur fiel hier jede Verbindlichkeit der aufnähme weg: fülle ist besser als mangel und am ende kann jedes wort zur kenntnis der bestandtheile einer spräche beitragen. Es gibt aber auch Wörter, deren bereits vorhandene deutung nicht zu weiterer prüfung veranlaßt; andre nicht genügend oder gar nicht gedeutete, die zwar dUe rücksicht verdienen, aber diesmal nicht zur Unter- suchung reizten : gehen sie auch leer aus, sie dienen doch anzudeuten, was einer spräche seltenes oder merkenswerthes angehört. Jene sind hier mit dem eingeklammerten namen ihres erklärers bezeichnet, diese ohne irgend eine beurtheilung hingesetzt worden und somit anderweitiger Untersuchung empfohlen. Sparsamkeit in der abfassung der artikel war mir gesetz:

VORREDE. IX

darum wählte ich aus den volksmundarien meist nur unmittelbar zum ziele führendes; darum vermied ich, den Ursprung des aufgestellten etymons, so wie, vorwärts gewandt, die Verbreitung des romanischen abbüdes über fremdes gebiet su verfolgen; darum berichtete ich nicht über alle vorge- brachten meinungen; daß ich seichten erklärungsversuchen die thüre schloß, versteht sich*).

Die emtheüung des Stoffes wird man. billigen. Es kam darauf an, schon, in der äußeren einrichtung zu einer tyaren Übersicht desselben zu gelangen. Zu diesem zwecke mußten zwei theile gebildet werden. Der erste umfaßt ziemlich vollständig den gesammt- oder gemeinromanischen d. h. den auf allen drei gebieten, dem italienischen, dem spanisch-portu- giesischen und dem provenzalisch-französischen, ja selbst den auf nur zweien derselben einheimischen sprachstoff, in der reget wenigstens sofern dieser den neueren Schriftsprachen angehört. Der italienischen räumte ich in den einzelnen artikeln den vortritt ein, wozu sie tiire heimath und ihr genauerer anschluß an die lateinische berechtigte; selbst wo sie sich weiter von der urform entfernt als die schwestersprachen, konnte nicht füglich vom prineip abgewichen werden. Oder war es nicht rathsamer das mittel- lateinische alle andern umfassende wort voranzustellen? Allein das mittel- latein ist selbst vielformig und konnte nicht anders sein: sollten aber die von manchen und notarm geschaffenen sprachformen der volksüblichen rede den weg zeigen? Mit diesem mittellatein läßt sich viel unfug treiben. In den früheren Jahrhunderten, als die Volkssprachen der lateinischen näher standen, ist es allerdings eine für die Wortforschung höchst wichtige quelle, weil es reine formen gewährt. Seitdem aber jene sprachen selbst in schrift auftraten, kann die Wissenschaft es fast entbehren, ja sie muß es nicht selten von sich stoßen. Wie ungeschickt man seit dem zwölften Jahrhundert latinisierte, davon reden beispide wie sessicare = altfr. Bescher; gordns = altfr. gort, lat. gurges ; hommagium = altfr. hommage d. i. hominaticum. Welch ein falsches bild gibt bos8a = /r. bosse; grasales^r. grazal, wo- für bocia, gradale zu erwarten war! Der zweite theü enthält den jedem der drei gebiete ausschließlich eignen sprachstoff **). In dem dritten dieser gebiete habe ich, nicht ohne einiges bedenken, die französische form als die bekannteste der provenzalischen voranzustellen mir erlaubt, um das nach- schlagen zu erleichtern. Der walachischen in der fremde erzogenen, mit den übrigen nicht aufgewachsenen tochter der römischen mutter habe ich

*) Ich bemerke hier noch: um nicht mit formen zu ermüden, habe ich im L theile die port. form, wenn sie der span. gang nahe lag, häufig unterdrückt; seltner die prov., da diese zugleich das höhere alter eines Wortes bezeugt.

**) Von den zahlreichen arabischen Wörtern im span. und port. konnte nur eine auswahl aufgenommen werden. Sie sind mit latein. buchstaben geschrieben und zur beglaubigung aus Crohns9 oder Freytag1 8 Wörterbüchern nachgewiesen.

X VORREDE.

*

keine eigne stelle eingeräumt, sie nur zur vergleichung zugelassen, nicht anders die churwälsche. Die volksmundarten bieten der forschung ein unschätzbares, nie zu erschöpfendes material, welches häufig Über buch- stabenverhältnisse und begriffsentwicklung Überraschenden aufschluß gibt: ich habe sie daher Überall zu raihe gezogen, so weit die mir gestatteten hülfsmittd ausreichten, ihnen auch zuweilen beispiels halber kleine artikel vergönnt Schade, daß wir nicht über recht viele derselben so einsichtige und gewissenhafte Untersuchungen besitzen wie über die wallonische. Durch die bemerkte Zerlegung des Stoffes wird auf den ersten blick klar, was alle gemeinschaftlich besitzen, größtentheils das alte römische erbtheil, und was jede noch besonders sich angeeignet hat; nur darf ich nicht unbe- merkt lassen, daß ich die französische als die uns am nächsten liegende vor den andern, wenigstens der spanischen, begünstigt habe. Von diesem partiellen eigenthume der sprachen sind freilich viele der aufgenommenen artikel als gesammtromanisclie abzurechnen, welche nicht wohl in die erste abtheilung paßten, weil ihre etymologie in den übrigen sprachen auf der hand lag. So schien z. b. das lat. apium (sp. apio, it. appioj in seiner franz. form ache fremdartig genug, um in der partiell franz. abtheilung eine stelle zu finden. Kleine inconsequenzen in der vertheilung der Wörter mögen vorkommen, sie werden dem ganzen wenig schaden: das register bürgt zuletzt für alles. Eine größere inconsequenz wird man vielleicht darin finden, daß zietnlich regellos hier ein verbum, dort ein notnen an der spitze eines artikels steht. Es ist in der that oft schwer zu sagen, welche der beiden Wortarten als die primitive anzunehmen sei. Gewöhnlich wird dies durch die etymologie entschieden, in andern fällen wird es nicht zu kühn sein, sich in einer sachc von so geringer bedeutung durch das gcfüfä leiten zu lassen.

Über die unlateinischen demente in den neuen sprachen habe ich mich vor jähren ausführlich geäußert und finde an meiner damaligen auf- fassung der sache nichts wesentliches zu ändern. Richten wir aber noch- mals den blick auf die Ursprachen, um etwaigen charakterzügen oder resten derselben in den einzelnen gebieten auf die spur zu kommen.

Für die kenntnis der italischen Ursprachen sind in neuerer zeit wieder bedeutende denkmäler aris licht gezogen und der bau jener sprachen so wie ihr Stammverhältnis zum latein sorgfältig erörtert worden. Die wichtigste der unteritalischen durch höhlere ausbildung, längere dauer und durch grösseren umfang ihrer Überreste ist ohne zweifei die pskische. Ver- gleicht man sie nun mit der italienischen, so verräth diese nicht das ge- ringste von den lautgesetzen der ersteren. Die oskische abneigung vor der assimilation der consonanten ist grade das gegentheil des lateinischen im italienischen noch weiter ausgebildeten Verfahrens. Man )iat den oskischen

VORREDE. XI

gebrauch, gewissen vocalen ein i vorzusetzen wohl mit einem ähnlichen neapolitanischen verglichen, gewiß aber nicht in der Voraussetzung eines historischen Zusammenhanges, um so weniger als der neap. gebrauch unter einen andern gesichtspunct, den der diphthongierung zu stellen ist, die sich übrigens ganz auf den vocal e beschränkt. Als ein bedeutsamerer beriihrungspunct dürfte die osJcische neigung, tenuis in media zu verwandeln, bemerkt werden, aber auch hieraus würde sich keine folgerung für das italienische ziehen lassen. Jene neigung ist gemeinromanisch, hat in den verschwisterten mundarten noch weit stärker eingegriffen und läßt eine tiefere nicht bloß durch berührung mit einer nachbarsprache geweckte an- läge vermuthen. Doch sind solche gemeinsame züge, welche verschiedene sprachen auf einem und demselben boden zu erkennen geben, der erwähnung nicht unwerth, und so möge denn auch noch an den umbrischen und vols- kischen Wegfall des flexivischen t in der conjugation (habia = habeat) er- innert werden. Von der etruskischen spräche aber darf man völlig absehen: was man fast nur aus eigennamen Über ihre stammesart und über ihren bau weiß oder vermuthet, findet auf dem ganzen römischen gebiete keinen anklang. Diese abwesenheit oder dieses nur in leichten und zweifelhaften spuren hervortretende dasein grammatischer züge der altitalischen idiome in der römischen Volkssprache, soweit die vorhandenen mundarten auf deren gestalt zu schließen berechtigen, hindert indessen nicht, das ganz, naturgemässe eindringen zahlreicher provincialismen aus den untergegangenen idiomen in dieselbe anzunehmen, ja diese annähme ist eine durch die läge der sache gebotene, da sie allein den zufluß heterogener im italienischen enthaltener, in keiner der angränzenden sprachen vorfindlicher demente zu erklären vermag. Nachweislich sind diese demente freilich nicht mehr, da die Wörterbücher der untergegangenen sprachen fehlen. Ungeachtet des einflusses dieser altitalischen demente ist die italienische spräche unzweifel- haft unter den romanischen die am wenigsten gemischte. Dies gilt aber nur von den mittleren dialecten, welche das lateinische erbtheil am reinsten in sich begreifen. Die südlichen lassen manches griechische und einiges arabische erkennen, das den andern abgeht. Durchmustert man aber, über die gränzen des alten Italiens hinausgehend, die nördlichen, die cisalpi- nischen mundarten, so glaubt man sich in eine andre weit versetzt: in dieser weiten landschaß, zumal in der großen ebene zwischen den Alpen und dem Po, hol die gewaltige römersprache die volksmundarten nicht be- wältigen, sich des einflusses andringender barbarensprachen nicht erwehren können. Der zufluß deutscher, zum theil recht merkwürdiger Wörter kann hier nicht überraschen; wer aber celtische reste von einiger erheblichkeit erwartet, wird sich bald getäuscht sehen: das gesammte italienische gebiet möchte deren nur wenige aufweisen, die Schriftsprache enthält vielleicht nicht ein einziges wort dieses Stammes, welches sich nicht auch im proven-

XII VORREDE.

edlischen oder französischen vorfände. Eine sorgfältige etymologische Untersuchung besonders der zunächst an den Alpen oder in denselben liegenden dialecte würde der Sprachgeschichte reichlichen gewinn zuführen: Monti's comaskisches Wörterbuch liefert für einen (heil derselben schon ein treffliches material, das in Verbindung mit dem ertrage churwälscher und andrer Wörtersammlungen die linguistische Bedeutsamkeit jener dialecte hinlänglich übersehen läßt

Wenn in Italien die alten landessprachen so weit ausgerottet wurden, daß keine von ihnen in ihrem selbständigen dasein auch nur das Au- gustische Zeitalter erreichte, so lebt in Spanien die iberische Ursprache dagegen bis auf den heutigen tag im baskischen fort. Aber auch diese Sprache kann Zeugnis ablegen, wie weit die zerstörende gewalt der römischen sich erstreckte, da wo es galt eine nationalität zu vertilgen. Denn daß es jener gelang, in einer entlegenen gebirgsgegend ihr dasein fortzusetzen, sagt wenig gegen die allgemeine niederlage. Man weiß, daß schon Sträbo (3, 2 extr.) den Turdetatiern, einem gebildeten südspanischen volke, das eine einheimische litteratttr aufweisen konnte, den gänzlichen Umtausch ihrer spräche gegen die lateinische nachrühmt; dass der spätere Columdla viele provincialismen des bereits über das platte land der halbinsel verbreiteten lateins anführt; daß aber auch andrerseits Cicero (de divin. 2, 64) des daseins einer hispanischen spräche gedenkt; und daß nach Tacitus (annal. 4, 45) ein landmann aus dem diesseitigen Spanien vor gerieht die spräche seiner väter redete. Aber seit der erwerbung der römischen civität wurden die spanischen Völkerschaften wie die italischen sehr bald in Römer ver- wandelt. Sehen wir jedoch näher zu, ob sich in der spanischen mundart nicht noch irgend ein baskischer zug entdecken läßt. Als einen solchen führt Larramendi in seiner grammatik (p. 10. 11) die mit der endung ez gebildeten patronymica an, Rodrigo Rodriguez, Fernando Fernandez nach dem bask. berun blei, berunöz von blei. Aber verdacht gegen diesen Ur- sprung erregt die von seinem Verfechter selbst eingestandene thatsache, daß sich die Basken dieser form für patronymica nicht einmal bedienen, daß sie z. b. Manuel de Garagorri sagen statt Garagorriez. Vielmehr scheint ez, ursprünglicher ix, nichts anders als die gofhische genitivendung ig, wobei filius zu supplieren: Roderiquiz in Urkunden, später Rodriguez ist = goth. Hröthareikis, Fredinandiz Fernandez = goth. Frithanantis. Diese endung wird denn auch auf unpassende fälle angewandt: statt Flori, Fortuna, Pelagii, Petri, Sanctii sprach man Floris Florez, For- tunez, Pelaez, Perez, Sanchez, genau wie man in den tagnamen die genitive Miercoles = Mercurii, Lunes = Lunae (dies) der grammatik abtrotzte. Was Larramendi sonst noch hervorhebt, das ableitungssufßx eria (sp. porqu-eria von puerco = bask. ero-querfa von erö, p. 262), oder in der conjugation die Umschreibung mit habere (p. 48), zerrinnt von selbst in

VORREDE. XIII

nichts. Sollte aber das span. lautsystem, vornehmlich da wo es sich vom lateinischen oder dem der schwestersprachen lossagt, nichts vom iberischen Charakter verrathen? Zu vergleichungen sind hier besonders die lippen- buchstaben geeignet. Anlautendes lat. p wird im baskischen nicht selten zu b (botherea = sp. poder, lat. posse) und dies ist ganz unspanisch. Der Baske hat eine nicht zu verkennende scheu vor dem f ; nicht so der Spa- nier, wenigstens ist die ihm eigene Verwandlung des anlautenden f in h etwas später entwickeltes, seiner ältesten spräche noch fremdes. V fehlt dem Basken gänzlich: seine stelle versieht b, ja selbst m, letzterer Über- gang dem Spanier ganz unbekannt. Das unlateinische im spanischen ein- heimische ch ist allerdings auch ein sehr üblicher baskischer laut, der aber etymologisch mit dem spanischen buchstaben wenig berührung hat, indem er häufig spanischem g, c, z, j, x entspricht; auch haben die schwester- sprachen ihn eben so wohl entwickelt. Doch wäre es nicht unwichtig zu wissen, ob dieses polatale ch nebst ts, z, tz, wie Humboldt voraussetzt, wirklich alte iberische laute gewesen: darüber konnte erst die entzifferung des einheimischen alphabetes aufschlug bringen. Ein andrer unlateinischer laut, das aspirierte g oder j, fehlt im baskischen, dafür sieht y (sprich wie itai. j), d. h. die spräche beharrte bei dem erweichten oder halbvoca- tischen g, woraus, wie aus dem latein. j, die span. ausspräche nachher eine aspirata machte (Born. gr. i*, 268 9), z. b. bask. yendea = sp. gente. Ohne mühe lassen sich noch andre nicht minder scharfe Wider- sprüche in beiden sprachen auffinden, z. b. das im baskischen vor anlau- tendem t vorschlagende a oder e (arraza = sp. raza, erribera = ribera). Dagegen treffen sie zusammen in dem ganz unlateinischen gebrauche, das anlautende s impurum auf ein vor gefügtes e zu stützen; auch darf noch ein punct, worin sie sich beide zu begegnen scheinen, erwähnt werden. Der Baske, dem zusammentreffen von consonanten überhaupt nicht hold, schiebt gerne zwischen muta und r oder auch zwischen muta und 1 einen vocal ein: apirilla (aprilis), guiristinoa (sp. cristiano), liburua (libro), khumtzea (crutz), poroganza (probanza), pulumpatu (pr. plombar). Das- selbe thut auch der Spanier und Portugiese, z. b. sp. engarrafar (für engarfar), taragona (draco), pg. caranquejo (pr. cranc), bara$a (bra^a), coro^a (croca), sp. coronica (chronica), pg. gurumete (neben grumete) gurupa (neben grupaj, sp. filibote (neben flibotej u. dgl.; doch ist dabei nicht unbemerkt zu lassen, daß auch andern roman. mundarten dies aus- einanderhalten der consonanten nicht fremd ist, wenn sie auch einen mäßigeren gebrauch davon machen, überblickt man solche thatsachen, so wird man sich überzeugen müssen, daß sich unter dem eisernen joche der latein. spräche von den naturanlagen oder den grammatischen eigenheiten der iberischen in der spanischen wenig hat behaupten können. Nicht ein- mal läßt sich eine irgend erhebliche anzahl baskischer Wörter in den an-

XIV VORREDE.

grunzenden rotnan. sprachen nachweisen: sie werden sich, manche zweifel- hafte mitgerechnet, noch nicht auf hundert belaufen. Freilich ist dies nur der ertrag einer bloß auf die Oberfläche gerichteten prüfung; ihn zu ver- mehren, wird dem tiefer eindringenden äuge des kenners sicher gelingen. Ohne zweifei aber hat das von fremden sprachen eingeengte baskische gebiet einen großen theil seines alten Wortschatzes eingebüßt. Eben darum ist die Untersuchung des Span, sprachstoffes so schwierig. Wörter baskischen Ursprungs hat unter andern Larramendi in großer zahl zusammengetragen und gedeutet. Seine deutungen aus aneinandergefügten oft unscheinbaren dementen rechtfertigt allerdings die natur der baskischen spräche; wenn aber aus dieser Zergliederung ein dem warte nicht wesentlich zukommendes merkmal hervorgeht, so können sie höchstens nur auf den ersten blick täuschen. Span, lona heißt Segeltuch, vom bask. lo-ona d. i. guter schlaf, weil es sich zu zelten eignet, und in zelten schläft sichs gut. Solcher etymologien finden sich hunderte bei ihm. Ich habe indessen aus seinem Verzeichnis, mit wenigen ausnahmen, alles was mir auch nur leidlich haltbar schien, in gegenwärtiges buch eingetragen. Wichtig ist hier die frage: soll man alle spanische Wörter, die man außerdem nur in jener Ursprache bemerld, daraus herleiten? Soll man letztere in so weit gleich- stellen mit der arabischen oder deutschen? Mir scheint bei der starken mischung des baskischen mit romanischem die baskische herkunft eines Wortes nur da annehmbar, wo .sich seine ursprünglichkeit auf diesem boden nachweisen läßt, eine f orderung, welche auf die nicht romanisch versetzten sprachen keine anwendung findet. Aber wo dieser forderung genüge ge- schieht, mag der baskische Ursprung bei partiell spanischen Wörtern dem gothischen vorangehn, nicht eben dem arabischen. Wie kommt es aber, daß so viele baskische im spanischen vorhandene Wörter, fast zwei drittel von allen, dem Portugiesen fehlen, ohne daß er eines ähnlichen Schatzes ihm ausschließend eigner Wörter aus jener spräche sich rühmen kann? Waren die Iberier, wie auch Humboldt in seinen Untersuchungen über die urbewohner des landes feststellt, in Lusitanien weniger verbreitet, so daß ihre spräche daselbst einen geringeren eindruck zurückließ, oder drangen jene Wörter erst später aus dem baskischen in das nahe spanische gebiet ein, ohne das entlegenere portugiesische gebiet zu erreichen?

Die wichtigste der Ursprachen Frankreichs ist die celtische. Ich habe, als ich die bestandtheile der romanischen sprachen untersuchte, dem cellischen demente wenigstens nach allgemeiner Schätzung sein recht wider- fahren zu lassen mich bemüht und die zweifei an seinem Vorhandensein bestritten; ein genaueres eingehn in die sache durfte ich mir bei mangelnden Vorstudien nicht erlauben. Seit jener zeit aber sind wir durch eindringliche forschung über den grammatischen bau und zumal über den Zusammenhang der celtischen sprachen mit den indo-germanischen besser aufgeklärt worden

VORREDE. XV

und diese beobachtungen dürfen auch an der romanischen etymologie nicht ohne erfolg vorübergehn. Das Stammverhältnis der neueren celtischen Völker, der Iren, Gaden, Kymren und Bretonen zu den alten wird von den ge- schichtschreibern zwar sehr verschieden und oft in ganz entgegengesetztem sinne beurtheilt; wie aber diese fragen einst gelöst werden mögen, für die beurtheilung des celtischen dementes in den aus dem latein entstandenen sprachen scheint diese lösung nicht von großem belang. So viel darf als thatsache, gewiß keine unerhebliche, ausgesprochen werden, daß die franz. und prov. spräche, auf die es hier am meisten ankommt, der kymrischen naher stehen als der irisch- gaelischen sowohl in betreff der menge als auch der gestalt der dem celtischen und romanischen gebiete gemeinsamen Wörter. Auch die westromanische scheu vor anlautendem s impurum findet sich nur in dem kymr. zweige wieder. Manches gewährt die bretonische mund- art, was die übrigen verweigern, und wohl darf man acht celiisches, vielleicht selbst altgdllisches, darunter vermuthen, allein die erstaunliche mischung derselben mit französisch macht diese quelle, wo sie für sich allein fließt, für die kritische etymologie fast unbrauchbar, fast nur zur verglekhung noch tauglich. Dagegen vergönnt diese mundart der roman. Sprachforschung einen andern vortheil, der den etymologischen wohl noch überwiegen dürfte: sie ist nicht allein eine fundgrübe altfranzösischer Wörter und bedeutungen, sie liefert auch zur geschickte der französischen ausspräche schätzbare aufUärungen.

Die art des Übertrittes aus der celtischen in die romanische sprach- form hat nichts besonderes, so weit sich bei der geringfügigkeit des Stoffes bestimmte gesetze aufstellen lassen. Das was dem etymologen manches bedenken macht, ist die collision des celtischen Stoffes mit dem germanischen, und hierüber jemals ganz ins reine zu kommen d. h. zu bestimmen, welcher von beiden Sprachfamilien der Romane ein in beiden vorhandenes wort zunächst schulde, ist kaum zu hoffen. Doch gilt dies nur in einzelnen fällen, denn nicht selten läßt sich aus inneren oder äußeren gründen die frage zum vortheil der einen oder der andern dieser sprachfamüien ent- scheiden. So wird man bei gleichen formdien ansprüchen ausdrücke für naturgegenstände als alteinheimische lieber zum celtischen als zum germa- nischen demente rechnen. Die Verbreitung eines Wortes durch mehrere sprachen des einen gebietes gegenüber dem vorkommen desselben in einer dnzdnen spräche des andern wird für seine ursprünglichkeit in dem ersteren Zeugnis ablegen, wo nicht besondere anzeichen für das umgekehrte Verhältnis sprechen. Entscheidender aber sind gewisse formelle kennzeichen, wie denn die form dem etymologen überall den sichersten, von subjectiver auffassung unabhängigsten anhält bietet. Solche kennzeichen liegen unter andern in einzdnen spuren der deutschen lautver Schiebung, wenn z. b. das itcd. tetta auch citta, cizza lautet, cdtisch aber nur teth. Sodann in dem

XVI VORREDE.

deutschen ableitenden i oder j mancher Wörter, wie itcd. boriare, althochd. burgan, altgael. aber schlechtweg bor. Wo es aber an allen inneren und äußeren henneeichen gebricht, da ist in betracht des unverhältnismäßigen übergewichtes der deutschen besfanätheüe die Wahrscheinlichkeit für diese spräche, für die celtische nur die möglichkeit. Dieses übergewicht des deutschen dementes über das alteinheimische ist eine unläugbare thatsache und jedes sträuben gegen seine anerkennung eine thorheit. Wahrlieh, die Römer müssen reine arbeit gemacht haben, als germanische Völker sich in Gallien festsetzten! Es wird kaum übertrieben sein, wenn man behauptet, daß der einzige buchstabe H im französischen nicht viel weniger deutsche als alle buchstaben zusammengenommen celtische Wörter in sich begreifen. Erinnert man sich freilich des umstandes, daß die Franken mitten unter den Romanen ein halbes Jahrtausend hindurch die spräche ihrer väter fortredeten, daß in demselben maße wie die deutschen Wörter im franzö- sischen zunahmen, die ceitischen abnehmen mußten, denn jede spräche sucht sich ihres Überflusses zu entledigen, so erklärt sich diese er scheinung auf die natürlichste weise.

Sollte es aber auch dieser Ursprache nicht gelungen sein wenigstens ein fünkchen ihres geistes im französischen fortglimmen zu sehen? Es mangelt in der that nicht an zusammentreffenden zügen. So das genus, welches in beiden sprachen nur zweierlei ist, männlich und weiblich, früher dreierlei war. Aber der Untergang des neutralen geschlechtes im fran- zösischen ist sicher älter als im ceitischen und zum theil von andern um- ständen begleitet, indem dort zahlreiche neutra in ihrer pluralform zum feminin, hier alle zum masculin übertraten. Giengen doch auch die ver- schwisterten mundarten denselben weg ohne rücksieht auf die sitte altein- heimischer oder später eingebrachter sprachen: überall ward das masculin und feminin festgehalten, das neutrum aufgegeben. Nicht anders wird es sich mit einem andern gemeinschaftlichen zuge, der präposüionalen decli- nation, verhalten. Selbst die altfranz. oder prov. Unterscheidung des casus rectus und oHiquus (nom. sg. amic-g, acc. amic, pl. amic, acc. amic-sj, worin man einen wiederschein der gadischen einrichtung (nom. sg. bard, gen. baird, nom. pl. baird, gen. bard) zu erblicken glaubt, schmiegt sich innig an das lat. Verhältnis, so daß sie sich gar wohl ohne äußere ein- wirkung entwickelt haben kann, wie denn auch die gaelische einrichtung in einem erheblichen puncte von der romanischen abweicht, da sie den dativ sing, dem nominativ gleichbildet. Offenbar celtisch aber ist im französischen das zählen mit zwanzigen, welches neben der lateinischen methode in an- Wendung blieb: altfranz. treiö yinz (60), treis vinz e dis (70) u. s. f. Auch scheinen in der syntax einige celtische spuren durchzublicken: an eine fremde Wortfügung, wobei es auf eine völlige verläugnung des ein- gesogenen Sprachgefühles ankommt, gewöhnt man sich minder leicht als an

VORREDE. XVII

fremde Wörter und flexionen. Dahin dürfte man etwa rechnen, daß es im hymrischen dem genitiv vergönnt ist, ohne präposition hinter dem regierenden nomen platz zu nehmen wie im franz. hötel dien; daß, gleich- falls im hymrischen, das possessive Verhältnis eines Substantivs durch die präp. i = roman. a = engl, to bezeichnet wird wie im cdtfranz. la gent an roi, engl, servant to bis master; daß im gaelischen die Bedeutung ge- wisser adjectiva durch ihre Stellung vor oder hinter dem Substantiv bedingt ist wie im franz. hoimSte homme und homme honnete; daß daselbst gleichnamige personen durch cardinalzahlen unterschieden werden wie im franz. Henri qnatre ; und wieviel der Meinen züge sonst noch sein mögen, auf die man sich hier berufen könnte.

Aber edles was fremde sprachen beigetragen haben, wiegt noch nicht den zehnten theil des lateinischen bestandtheiles auf. Ihm fallen fast sämnUliche grammatische Wörter (partikeln, pronomina), ohne die es kaum möglich ist auch nur einen salz zu sprechen, ihm die wichtigsten begriffe zu, die das leibliche und geistige leben berühren. Darum ist dem Romanen latein gleichbedeutend mit spräche, mundart, und lateinisch gleichbedeutend mit deutlich, leicht, bequem. Bei weitem die meisten stamme der alten spräche behaupteten sich in der neuen, und um den vertust zu ersetzen, spalteten sich viele Wörter in mehrere formen mit eignen bedeutungen, welche die stelle selbständiger Wörter einnahmen. Daß diesem bestandtheüe sein recht gewahrt werde, gehört zu den grundsätzen der romanischen Wortforschung: unfehlbar wird demselben bei aufmerksamer Beobachtung noch manches miskannte wort wieder zugeführt, manches neue gewonnen werden. Dazu muß man alle quellen der lateinischen spräche benutzen, denn die roma- nische birgt mehr dÜerthümtiches oder verschollenes in sich, als man ihr obenhin angesehen zutrauen möchte (man lese Potts inhaltreiche abhandlung Plattlateinisch und romanisch), und in so fern kann sie auch der latei- nischen Sprachkunde, was von den pflegern derselben noch nicht in rechtem maße erkannt worden, hülfreiche hand leisten.

Einige gegenstände von praktischem belang lassen sich besser hier als in dem wörterbuche selbst anbringen.

Die etymologie hat ihre wissenschaftliche grundlage in der lautlehre: bei jedem schritte, den der etymologe thut, muß er sie im sinne haben. Es kommt indessen vor, daß die spräche in der büdung oder ausprägung der Wörter von ihren eigenen gesetzen abweicht und sich ganz von dem gefühle des Wohllautes oder der Zweckmäßigkeit leiten läßt, indem sie z. b. die Wiederholung eines buchstabens entweder meidet oder herbeiführt, oder indem sie verwandte begriffe formell zu nähern, unverwandte oder weniger verwandte zu trennen sucht. Diese kleinen gefühlsäußerungen der spräche kann die lauÜehre allenfalls unberührt lassen, sie fällen aber recht eigent- lich der etymologie anheim und dürfen hier nicht unerwähnt bleiben. Es

B

XVffi VORREDE.

sind hauptsächlich folgende. 1) Assimilation getrennter conso- nant en. Sie setzt die Organenverwandten (zuweilen selbst unverwandten) anlaute zweier auf einander folgenden silben gleich, z. b. it. Giciglia für Siciglia, fr. chercher für cercher, picard. chorchier für sorchier (fr. sorcierj, champ. chouche für souche, sp. salchicha für salsicha, aUcat. xixanta für sixanta, it. zezzo für sezzo, pipistrello für vipistrello, fan- faluca für panfaluca, sp. nono für nono, limous. mamela für lamela, neupr. founfoni für symfoni. 2) Dissimilation (Potfs Forschungen II, 66 ff.). Vermöge derselben wird ein consonant, der sich in einer der folgenden silben wiederholt, in einen andern desselben Organs umgesetzt: it. veleno für veneno, fr. nomble für lomble, pr. namela für lamela, it. pelle- grino für peregrino, fr. flairer für frairer, sp. sastre für sartre, altfr. varvassor für vasvassor, veron. lolpo für polpo, fr. vague für gague und zahlreiche andre. Die Verwandlung trifft zuweilen auch den zweiten consonant en: it. filomen»/ur filomela, fr. crible für cribre, gencive für gengive. Nicht selten muß einer der anstößigen consonanten weichen, gewöhnlich der erste: sp. postrar für prostar, pr. penre für prenre, ital. cavicchia für chiavicchia (ch = cl), fr. foible für floible, it. ghiado für ghiadio (i = l), sp. cribar für cribrar. 3) Vereinfachung schein- barer reduplication. Auf die unter 1. bemerkte weise entsteht für das gehör eine art reduplication. Dagegen wird, wenn die erste und zweite silbe eines Wortes mit demselben consonanten anheben, worauf derselbe vocal folgt, die erste sübe als ob sie eine unnütze reduplication wäre, zu- weilen abgestoßen: it. cenno wohl von cincinnus, zirlare von zinzilulare, neap. tellecare von titillicare, fr. gourde von Cucurbita, pr. paver von papaver, ähnlich sp. Santa Cilia (ortsname) von Sancta Caecilia. Die der spraclie der kinder abgelernte getnination (fr. bobo, dodo) hat nur in volksmuhdarten würzet gefaßt. 4) Auch die vocale unterliegen eupho- nischen eintoirkungen. Beachtenswerth für die etymologie ist die begün- stigung des a in erster unbetonter silbe in der art, daß e und i häufig in diesen vocal verwandelt werden. Es geschieht dies am liebsten, wenn die betonte zweite silbe ein a enthält, aber auch ohne dies oft genug. Einige beispide sind: it. baleno, bardosso, ciascuno, danaro, ganascia, guareuto (alt), lattovaro, laveggio, magrana, marangone, inaraviglia, margotto, marmaglia, racchetta, salvaggio, sampogna, tanaglia, taradore, tramaglio. Am häufigsten kommt dies vor im franz., welches sonst a in e zu schwächen geneigt ist: balance, barlong, barette, calandre, carcan, carmin, chacun, craanter (alt), cravanter (alt), dauphin, falaise, farouche, garant, garou, ganache, jaloux, marchand, marcotte, panacke, paresse, rangon, raquette, sarcelle, sauvage, tarin, tariere, tramail u. dergl. 6) Ein andrer dieser züge ist die anbüdung} vermöge welcher ein wort} sei es nun ein vorhandenes oder ein erst zu schaffendes, einem andern,

VORREDE. XIX

begriffsverwandten in seiner gestalt angenähert, gewöhnlich in seiner endung gleichgesetzt wird. So ist alt fr. octembre gebildet nach septembre, no- vembre, decembre, fr. mensonge nach chalonge, chapuiser nach menuiser, ältfr. boisdie nach voisdie, it. böffice nach söffice, sdrucire nach cu- cire, neap. Carella (Carybdis) nach Scella (Scylla). Ital. greve ist eine anbildung an seinen gegensatz leve, pria mit seinem a an poscia. 6) Durch mischung der stamme einigen sich zuweilen zwei begriffsver- wandte in einem und demselben warte, es wird gewissermaßen ein reis auf einen fremden stamm geimpft. An fr. rame z. b. haben remutf und ramus theil ; an selon secundum Und longum, an haut altus und unser hoch, an refuser sowohl recusare wie refutare, an it. carcame sowohl arcsftne wie carcasso. - 7) Wie in dem letzten feile zwei Wörter in eins zusammen- fließen, so kann auch um der begriffsunterscheidung wüten, ohne rücksicht auf die lautregel, ein wort in zwei auseinandergehe z. b. it. manco mangelhaft, monco verstümmelt, beide von maneus; rifutare widerlegen, rifiutare verschmähen, von refutare ; sp. calar niederlassen, eallar schweigen, von yaXtfv; fr. däsigner anzeigen, dessiner zeichnen, von designare. Weit häufiger geschieht dies vermittelst erlaubter formveränderungen wie im it. rio schlimm, neben reo schuldig, pesare wägen, neben pensare denken. Eine andre art dieser scheideformen ist, wenn ein wort, um nicht mit einem andern, gleichlautenden zusammenzufallen, eine mehr oder weniger starke formveränderung annimmt: so it. pioppo von pöpulus pappd, wegen popolo volk; melo von malus apfelbaum, wegen malus böse; pigliare nehmen, von pilare, wegen pillare stampfen, von plla; sp. cerrar schließen, von sera, wegen serrar sägen, von serra; pr. monestar mahnen, von monitare, wegen raontar steigen, von mons; fr. ätang teich, von stagnum, wegen 6tain zinn, vom altlat. stagnum. 8) Nicht selten wird ein in seinen Bestandteilen unverständliches wort durch theilweise ver- tauschung oder Übersetzung mit einem ähnlichen romanischen gedeutet, ein sinnreiches mittel fremdlinge ganz heimisch zu machen. Beispiele dieser umdeutung sind: it. battifredo, badalisco, guiderdone, Gibilterra (Gi- braltar), malvagio, sp. malenconico, it. manovaldo, altfr. mainbournir, candelarbre, nfr. choucroute, orange, worin man leicht die mit battere, badare, dono, terra, male, mano, arbre, chou, or vollzogene umdeutung erkennt. Im fr. main de gloire (für mandegliere aus mandragora) be- schränkt sich die umdeutung nicht auf einen theil des wortes. Span. Sierra morena (schwarzes gebirge) soll aus mons Marianus abgeändert sein. Be- kannt sind Longobardus und baccalaureus.

Dem naturausdruck als bildungsmittel der neuen spräche ist kein zu weites fdä einzuräumen: manches wort, das man auf diesem wege ent- standen wähnt, kann sich noch als Sprößling eines alten Stammes aus- weisen. Doch hat dieses mächtige bildungsmittel hier, wie überall, reichlich

XX VORREDE.

gewuchert und seine fruchte können ihre Herkunft so wenig verläugnen, daß mir ihre vollständige aufnähme überflüssig schien. Viele dieser natur- producte lassen sich mit ähnlichen in fremden sprachen zusammenstellen, aber nicht mit Sicherheit daraus herleiten.

Es wären noch manche für die etymologie nicht gleichgültige beob- achtungen zur spräche zu bringen. Da sie aber alle in das gebiet der grammatik gehören, so lasse ich sie hier unberührt; nur einigen dringenden fragen aus der Wortbildung kann ich die erwägung auch an dieser stelle nicht versagen. Die latein. spräche sieht unbedenklich adjectiva aus verbal- stammen durch bloße anfügung nominaler suffixe: fidus, parcus, vivus, congruas entstehen aus fidere, parcere, vivere, congruere. Rom. gramm. [1. ausg.] II, 235 hatte ich diesen Vorgang in den neuen sprachen als einen höchst seltenen zugelassen: er ist aber gar nicht einzuräumen: die spräche erfreut sich eines solchen Überflusses ausdrucksvoller adjectiv- suffixe, daß sie neuen bildungen jener art ganz entsagen durfte. Allerdings gibt es mehrere romanische adjectiva, die sich zu verbis zu verhalten scheinen wie die eben genannten lateinischen. Es sind etwa folgende: sp. furo, verbum lat. furere; it. folle, fr. fou, vb. lat. follere; pr. clin, vb. clinare; fr. mundartl. gonfle, vb. gonfler; fr. morne, vb. goth. maür- nan. Furo und folle lassen sich von den Substantiven für und follis her- leiten; clin und gonfle sind abgekürzte participien = it. chino, gonfio; für morne endlich wird man ein deutsches adjectiv muthmaßen dürfen. Etwas bedenklicher ist eine andre, ganz verwandte frage. Werden substantiva persönlicher bedeutung auf eine eben so einfache art, ohne syllabisches sufßx, aus verbis gezogen wie substantiva sächlicher bedeutung? Die latein. spräche ist mit solchen bildungen sehr sparsam: scriba, coquus, dux, rex sind beispiele, andre bemerkt man in cofnpositis. Es ist der mühe werth, die romanischen falle, die eine solche entstehung zu fordern scheinen, mit einiger Vollständigkeit zusammenzustellen. Masculina sind it. furbo, vb. forbire ; it. mundartl. lecco, vb. leccare ; it. allievo, fr. 61eve, vb. allevare, elevare; sp. trasgo, vb. trasegar; fr. juge, vb. jnger. Furbo und lecco können in gleichlautenden ahd. Substantiven ihren grund haben; allievo und 61dve verhalten sich nach ihrer bedeutung mehr wie sächliche als persönliche Wörter und dürfen darum beseitigt werden; trasgo ist zweifelhaft, da trasiego zu erwarten stand; unläugbar aber ist juge, das jedoch nicht ohne grund aus juger gezogen ward, s. IL c. Was die aus verbis gezogenen masculina auf a betrifft, so hatten sie früher wohl eine rem sächliche bedeutung und wurden nachher auf personen übertragen, wie das nicht verbale boja die bedeutungen fessel und henker ausdrückt: so denn auch sp. boga rüderer, von boga, in derselben bedeutung auch feminin (eigentl. rüder, wiepg. voga), so it. spfzzeca knicker (hneipzange?) von pizzicare; bei andern wie sp. farfulla Stammler, von farfullar, pg.

VORREDE. XXI

beberrica trinket, von beberricar, ist dies weniger ersichtlich. Die aus verbis gezogenen feminina sind ursprünglich abstracta gewesen und in concrete persönliche bedeutung übergetreten: so it. ascolta schildwache (aufhorchung), scorta begleiter (begleitung), pr. bada Wächter (obacht), uca ausrufer (ausruft crida schreiet (schrei), it. gonfia glasmacher (auf- blasung); bei it. trecca höfierweib, vb. treceare betrügen, mag diese be- griffsenttcicklung zweifelhafter sein. Aus dem allem ergibt sich aber doch die ungewißhext dieser ableitungen, mit deren annähme also der etymologe vorsichtig verfahren muß. Bonn im juli 1853.

II. In der vorliegenden zweiten ausgäbe habe ich einen großen theil der in der ersten enthaltenen artikel einer neuen prüfung unterzogen, welche nicht selten auf andre ergebnisse geführt hat. Zu